Blut

Lebenssaft (umgangssprachlich)

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Blut [blu:t], das; -[e]s:
dem Stoffwechsel dienende, im Körper des Menschen und vieler Tiere zirkulierende rote Flüssigkeit:
Blut spenden, übertragen; jmdm. Blut abnehmen; Alkohol im Blut haben.
Zus.: Spenderblut.

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Blut 〈n. 11; unz.〉
1. Flüssigkeit zum Transport von Sauerstoff u. Nährstoffen im Körper der Menschen u. Tiere
2. 〈fig.〉 Abstammung, Herkunft
3. 〈Tierzucht〉 Eigenart eines Tieres hinsichtl. seiner Abstammung (Kalt\Blut, Voll\Blut, Warm\Blut)
4. 〈fig.〉 Gemütslage, Temperament
● die Bande des \Blutes die B. der Familie, Verwandtschaft; das \Blut Christi Wein beim Abendmahl; die Stimme des \Blutes 〈poet.〉 die Abstammung, die sich nicht verleugnen lässt; ein Tropfen \Blut ● jmdm. \Blut abnehmen 〈Med.〉; das \Blut erstarrte in meinen Adern mich packte Entsetzen; das \Blut fließt, quillt, schießt, sickert, strömt aus einer Wunde; \Blut husten, spucken (bei Lungen- od. Magenerkrankungen); an seinen Händen klebt \Blut 〈fig.〉 er hat jmdn. ermordet; sein \Blut komme über uns und unsere Kinder (Matth. 27,25); \Blut konservieren 〈Med.〉; er hat \Blut geleckt 〈fig.〉 er ist auf den Geschmack gekommen; das \Blut pocht (in den Adern, den Schläfen); das \Blut schoss, stieg ihm vor Scham, vor Zorn in den Kopf, 〈od.〉 zu Kopfe er wurde rot vor Scham, vor Zorn; sein \Blut schreit nach Rache 〈fig.; poet.〉 der Tote muss gerächt werden; \Blut (und Wasser) schwitzen vor Angst, Aufregung große Angst haben, sehr aufgeregt sein; \Blut spenden; das \Blut stillen eine blutende Wunde verschließen; \Blut übertragen; \Blut vergießen töten; im Kampf wurde viel \Blut vergossen; der Verletzte hat viel \Blut verloren; weichen: alles \Blut war aus ihrem Gesicht gewichen sie war totenblass\Blut bildend = blutbildend; blaues \Blut in den Adern haben adelig sein; das macht böses \Blut das erregt Unwillen, Zwietracht; feuriges, heißes \Blut haben leicht erregbar, sehr temperamentvoll sein; ein junges \Blut 〈poet.〉 ein junger Mensch; kaltes \Blut bewahren ruhig bleiben, überlegt handeln; ein lustiges \Blut ein lustiger Kerl; \Blut reinigend = blutreinigend; nur ruhig \Blut! ruhig bleiben, bloß nicht aufregen!; \Blut saugend = blutsaugend; \Blut stillend = blutstillend; wir wollen kein unschuldiges \Blut vergießen ● jmdn. bis aufs \Blut reizen jmdn. bis zum Letzten reizen; in seinem \Blut(e) liegen schwer verletzt sein; das liegt ihm im \Blut(e) das ist seine Veranlagung; diese Schande kann nur mit \Blut abgewaschen werden 〈poet.〉 kann nur durch Kampf u. Tod gerächt werden; seine Jacke war mit \Blut befleckt, besudelt; dieser Boden ist mit \Blut getränkt er ist heiß umkämpft worden; hier ist jmd. ermordet worden; von edlem \Blut von edler, adeliger Abstammung [<ahd. bluot, engl. blood, got. bloþ; zu idg. *bhle- „quellen“]

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Blut: rote, im Körper zirkulierende u. dem Transport von Atemgasen, Nährstoffen, Hormonen u. a. Wirkstoffen, Stoffwechsel- u. a. Abbauprodukten sowie Wärme dienende Fl. mit festen Anteilen (Erythro-, Leuko-, Thrombozyten) u. gelösten Anteilen ( Blutplasma).

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Blut , das; -[e]s, (Fachspr.) -e [mhd., ahd. bluot, wohl eigtl. = Fließendes]:
dem Stoffwechsel dienende, im Körper des Menschen u. vieler Tiere zirkulierende rote Flüssigkeit:
das B. fließt aus der Wunde;
jmdm. steigt das B. in den Kopf;
viel B. wurde vergossen (geh.; viele Menschen verloren im Kampf, Krieg ihr Leben);
B. spenden, übertragen;
das B. stillen;
B. verlieren (stark bluten);
er kann kein B. sehen (ihm wird übel beim Anblick von Blut);
ein B. bildendes (die Bildung roter Blutkörperchen förderndes) Medikament;
B. saugende (stechende und sich vom gesaugten Blut ernährende) Insekten;
B. reinigender (eine Entschlackung des Blutes bewirkender) Tee;
sie hatte keinen Tropfen B. im Gesicht (sie war ganz blass);
sein Hemd war voll B.;
die Bande des -es (geh.; enge verwandtschaftliche Bindungen);
Alkohol im B. haben;
er lag in seinem B. (er lag stark blutend da);
Ü das mütterliche B. (Erbe);
heißes/feuriges B. (ein leidenschaftliches Temperament);
französisches B. in den Adern haben (seiner Abstammung nach [zum Teil] Franzose/Französin sein);
ihm kocht das B. in den Adern (geh.; er ist voller Zorn);
den Zuschauern gefror/stockte/gerann/erstarrte das B. in den Adern (die Zuschauer waren starr vor Schreck);
das Unternehmen braucht frisches B. (frische Kräfte);
das B. Christi (christl. Rel.; der Wein als Bestandteil des Abendmahls);
ein junges B. (dichter.; ein junger Mensch);
an jmds. Händen klebt B. (geh.; jmd. ist ein Mörder);
blaues B. in den Adern haben (von adliger Abkunft sein; aus gleichbed. span. sangre azul, nach den durch die weiße Haut durchscheinenden Adern der span. Adligen, die meist aus nördlicheren Gegenden stammten);
kaltes B. bewahren (die Ruhe bewahren);
böses B. schaffen/machen (Unzufriedenheit, feindselige Gefühle erregen);
B. und Wasser schwitzen (ugs.: 1. in großer Aufregung sein, große Angst haben. 2. sich übermäßig anstrengen müssen, um etw. zu schaffen);
B. geleckt haben (ugs.; nachdem man sich näher damit befasst hat, Gefallen an etw. finden u. nicht mehr darauf verzichten wollen);
[nur] ruhig B.! (ugs.; nur keine Aufregung!);
jmdn. bis aufs B. quälen/peinigen/reizen (jmdn. bis zum Äußersten quälen, peinigen, reizen);
etw. im B. haben/jmdm. im B. liegen/stecken (jmdm. als Begabung, Neigung angeboren sein);
im B./in jmds. B. waten (geh.; ein Blutbad anrichten);
etw. in [jmds.] B. ersticken (geh.; etw. blutig, mit viel Blutvergießen unterdrücken);
nach B. lechzen, dürsten (geh.; rachedurstig sein).

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Blut,
 
lateinisch Sạnguis, Körperflüssigkeit, die innerhalb des Blutkreislaufs in erster Linie dem allgemeinen Stofftransport und -austausch dient. Blut transportiert Sauerstoff (O2) von den Lungen zu den Geweben und Kohlendioxid (CO2) von den Geweben zu den Lungen, Nährstoffe von den Resorptions- und Speicherorten zu den verbrauchenden Geweben und von dort Stoffwechselendprodukte zu den Ausscheidungsorganen (Lungen, Nieren) oder zu anderen Geweben zur weiteren Verwertung. Blut dient weiterhin als Transportmedium für Vitamine und Hormone, die von ihren Bildungsorten zu ihren spezifischen Erfolgsorganen gebracht werden. Durch die hohe Wärmekapazität des Hauptbestandteils, des Wassers, kann das Blut die im Stoffwechsel gebildete Wärme im Organismus verteilen und über die Lungen und die äußere Körperoberfläche abführen. Weitere Aufgaben des Bluts sind die Aufrechterhaltung des Innenmilieus des Körpers (Homöostase), eine Grundvoraussetzung für die normale Funktion aller Zellen, ferner der Schutz vor Blutverlust durch Verschluss verletzter Gefäße sowie Abwehrfunktion gegen schädliche Stoffe und Krankheitserreger durch phagozytierende und Antikörper bildende Blutzellen.
 
 Das Blut des Menschen
 
Die Blutmenge beträgt beim Menschen 6-8 % seines Körpergewichts; das sind bei einem Erwachsenen 4,5-6 l. Das Blut setzt sich zusammen aus dem Blutplasma (Blutflüssigkeit) und aus geformten Bestandteilen, den Blutkörperchen (Korpuskeln). Seine Farbe beruht auf einem in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) enthaltenen Blutfarbstoff, dem Hämoglobin. Die Dichte des Bluts beträgt 1,057 bis 1,060 g/cm3, die Gefrierpunktserniedrigung 0,56 ºC, der osmotische Druck bei 37,5 ºC ist 3 atm (5 600 mm Hg beziehungsweise 745 kPa), der pH-Wert schwankt geringfügig zwischen 7,37 und 7,43.
 
Das Blutplasma besteht zu 90 % aus Wasser und enthält neben dem Eiweißstoff Fibrinogen, das für die Blutgerinnung verantwortlich ist, das Serumalbumin und verschiedene Serumglobuline (α1, α2, β, γ). Der gesamte Proteingehalt des Plasmas (7-9 %) trägt einen Teil zum osmotischen Druck bei (kolloidosmotischem Druck). Er verhindert eine übernormale Filtration von eiweißfreier Flüssigkeit aus der Blutbahn in die Gewebe. Sinkt der Proteingehalt des Bluts (eiweißarme Ernährung), so kommt es zu Wasseransammlungen im Gewebe (Hungerödem). Die Eiweißkörper haben außerdem eine Nährfunktion (als sofort verfügbares Eiweißreservoir), eine Transportfunktion (z. B. für verschiedene Arzneimittel) und sind ferner auch Träger der Abwehreigenschaften des Bluts (Antikörper, unspezifische Abwehrstoffe, Enzyme des Serums). Die organischen stickstoffhaltigen Substanzen nicht eiweißartiger Natur des Plasmas werden unter dem Namen Reststickstoff (Rest-N) zusammengefasst. Im Wesentlichen sind es Schlackenstoffe, die mit dem Harn ausgeschieden werden (harnpflichtige Substanzen), und Aminosäuren, die Bausteine der Proteine. Der Reststickstoff beträgt 20-35 mg in 100 ml Blut. An weiteren organischen Stoffen enthält das Blut Traubenzucker (0,1 %), Fette, Farbstoffe, Vitamine und Hormone.
 
Unter den anorganischen Bestandteilen des Plasmas haben die Blutsalze große Bedeutung für die Aufrechterhaltung der physikalisch-chemischen Eigenschaften des Bluts. Den Hauptbestandteil davon bildet das Kochsalz (Natriumchlorid, etwa 95 % des Blutsalzgehaltes). Daneben sind Kalium-, Calcium- und Magnesiumsalze in geringer Menge vorhanden. Dem Kochsalzgehalt verdankt das Blut v. a. seinen während des ganzen Lebens unverändert gehaltenen osmotischen Druck, der den der Proteine bei weitem übertrifft. Kalium und Calcium sind, obwohl nur in kleinen Mengen im Blut, zur Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen der Gewebe (z. B. Erregbarkeit der Nerven, Kontraktion der Muskeln und Sekretion der Drüsen) notwendig. Als Bicarbonate und Phosphate halten die Salze den leicht alkalischen pH-Wert aufrecht (Pufferwirkung), der während des ganzen Lebens konstant bleibt und entscheidend ist für ein gleich bleibendes chemisches Milieu, der Homöostase, im Körper (Acidose, Alkalose).
 
Die Blutkörperchen sind physiologisch hoch spezialisierte Zellen. Von ihnen überwiegen mit 44 Volumenprozent die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die Konzentration beträgt beim Mann 5,1 und bei der Frau 4,6 Mio. je mm3 Blut. Nachgewiesen und in ihrer Form beschrieben wurden sie beim Menschen zuerst durch A. van Leeuwenhoek (1673). Es sind scheibenförmige, in der Mitte beidseitig vertiefte Zellen (durch Rückbildung des Zellkerns) von etwa 7 μm Durchmesser. Ihre Form wird durch eine Gerüstsubstanz (Stroma) aufrechterhalten, die die Blutgruppeneigenschaften enthält und in deren Lücken das Hämoglobin eingelagert ist, das 90 % des Erythrozyten-Trockengewichts ausmacht. Das Hämoglobin ist die Verbindung einer Eiweißkomponente (Globin) mit einem eisenhaltigen Farbstoff (Häm), die Sauerstoff in »dissoziabler« Form binden kann. Bei hohem Sauerstoffdruck in der umgebenden Flüssigkeit wird Sauerstoff angelagert, und das Hämoglobin verwandelt sich in den hellroten Farbstoff (Farbe des arteriellen Bluts) Oxyhämoglobin; bei niederem Sauerstoffdruck dagegen gibt dieses Oxyhämoglobin seinen Sauerstoff in die Umgebung ab und wird zu dunkel-(bläulich)rotem »reduziertem« Hämoglobin (Farbe des venösen Bluts). Auf diese Weise vollzieht sich die Atemfunktion des Bluts. Auf ähnlichen, rein physikalisch-chemischen Vorgängen beruht die Transportfähigkeit des Bluts für Kohlendioxid, nur dass dieses in dissoziabler Form vorwiegend an die Alkalisalze des Bluts in Form von Natrium- und Kaliumhydrogencarbonat angelagert wird. Kohlendioxid wird entsprechend in den stark kohlendioxidhaltigen Gebieten des großen Kreislaufs (Gewebe) vom Blut aufgenommen und im Gebiet des kleinen Kreislaufs (Lunge) mit niederem Kohlendioxiddruck abgegeben.
 
Blutbildung (Hämatopoese): Die roten Blutkörperchen entstehen aus Vorstufen im roten Knochenmark. Sie zerfallen nach einer Lebensdauer von 100-120 Tagen und werden in Leber, Milz und Knochenmark aufgelöst (phagozytiert). Das Hämoglobin wird dabei in einen Gallenfarbstoff (Bilirubin) umgewandelt, der auch die blaugrüne Verfärbung von Blutergüssen dicht unter der Haut bewirkt. Dieser Prozess wird nach dem österreichischen Internisten H. Eppinger als »Blutmauserung« bezeichnet. Da ein Erwachsener etwa 25 Billionen Erythrozyten besitzt, entspricht dies einer Neubildung (Erythropoese) von 160 Mio. Erythrozyten je Minute. Blutbildung außerhalb des Knochenmarks (extramedulläre Blutbildung; in Leber, Milz u. a.) ist nur in der Embryonalzeit physiologisch, ansonsten krankhaft. Form und Anzahl der Erythrozyten können unter pathologischen Umständen verändert sein (Blutuntersuchungen).
 
Im Unterschied zu den roten sind die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) kernhaltig. Man unterscheidet zwischen Monozyten, Lymphozyten, deren Zellleib keine Körnchen (Granula) enthält, und den körnchenhaltigen Granulozyten. Je nach Anfärbbarkeit dieser Granula mit saurem Eosin, basischem Methylenblau oder beiden Farbstoffen lassen sich die Granulozyten wieder in Eosinophile (rot gekörnte), Basophile (blauschwarz gekörnte) oder Neutrophile (indifferent gefärbte) einteilen. Eiter besteht zum größten Teil aus Neutrophilen. Lymphozyten, Granulozyten und Monozyten entstehen aus Vorläuferzellen im roten Knochenmark, wobei die weitere Entwicklung der Lymphozyten in »lymphoiden« Geweben (Milz, Lymphknoten) erfolgt. Die Größe der Leukozyten schwankt zwischen 7 μm (Lymphozyten) und 20 μm (Monozyten). Ihre Zahl in 1 mm3 beträgt 4 000-10 000. Unter physiologischen Bedingungen ist die Anzahl der Leukozyten im Blut besonders nach den Mahlzeiten vermehrt. Ein starker Anstieg der Leukozytenzahlen (Leukozytose) sowie eine Verschiebung im Verhältnis von Granulozyten zu Lymphozyten wird bei den meisten entzündlichen Erkrankungen und bei bösartigen Tumoren beobachtet. Eine verminderte Leukozytenzahl wird als Leukopenie bezeichnet. Zahlreiche unreife Leukozyten werden im Blut von Leukämiekranken gefunden. - Die physiologischen Aufgaben der Leukozyten bestehen in einer Art Polizeifunktion. Infolge ihrer amöbenartigen Eigenbeweglichkeit sind sie imstande, die Gefäßbahn durch Spalten der Wandung hindurch zu verlassen (Diapedese), wenn sie durch die Stoffwechselprodukte von Krankheitserregern angelockt werden (Chemotaxis). Der Krankheitserreger kann dann in den Zellleib des Leukozyten aufgenommen (Phagozytose) und von den in der Zelle vorhandenen Enzymen verdaut und damit zerstört werden.
 
Die Blutplättchen (Thrombozyten) sind farblose dünne Scheibchen von etwa 3 μm Durchmesser. Ihre Anzahl beträgt 150 000-300 000 je mm3. Bedeutsam sind sie durch ihren Anteil an der Blutgerinnung. Sie entstehen im Knochenmark als Abschnürung des Zytoplasmas von Knochenmarkriesenzellen (Megakaryozyten).
 
 Das Blut der Tiere
 
In der Tierreihe tritt das Blut schon bei niederen Vielzellern auf, da der notwendige Stofftransport durch einfache Diffusion unzureichend ist. Eine Blutflüssigkeit als Transportmedium ist somit notwendige Voraussetzung für größere Körperdimensionen. Entsprechend der grundsätzlichen Übereinstimmung von Körperbau und Körperfunktion bei Säugetieren hat auch das Blut dieser Tiergruppe wesentliche Eigenschaften mit dem Blut des Menschen gemeinsam. Mit zunehmender verwandschaftlicher Entfernung differenzieren sich jedoch auch die Eigenschaften des Bluts. Während sich farblose Blutzellen ähnlich den weißen Blutkörperchen stets finden, sind die roten Blutkörperchen nur bei Säugetieren kernlos.
 
Bei den wirbellosen Tieren ist der rote Blutfarbstoff, wo er auftritt, häufig nicht in besonderen Zellen enthalten, sondern im Plasma gelöst (Posthornschnecke, Regenwurm). Niederen Tieren dient der rote Blutfarbstoff v. a. zur Anpassung an besonders sauerstoffarme Umweltbedingungen. Die weite Verbreitung dieses Farbstoffes deutet darauf hin, dass er sich aus eisenhaltigen Atmungsenzymen (Zytochrome) entwickelt hat, die in allen Zellen vorkommen. Bei den wirbellosen Tieren sind außer dem Hämoglobin noch weitere Blutfarbstoffe zum Sauerstofftransport vorhanden. Von diesen ist der wichtigste das Hämocyanin (O2-haltig blau, O2-frei farblos), das gelöst im Blut von Krebsen, manchen Spinnentieren, Muscheln und einigen Schnecken sowie von Tintenfischen auftritt. Hämocyanin enthält Kupfer, an Protein gebunden, als wirksames Prinzip. Es kann, bezogen auf Kupfer- oder Eisenatome, nur halb soviel Sauerstoff binden wie Hämoglobin. Seltener treten als Blutfarbstoffe das Chlorocruorin (grün) und Hämerythrin (O2-haltig violett, O2-frei farblos) auf (bei einigen Ringelwürmern), die beide Eisen enthalten. Das Blut der Insekten hat keine Atemfunktion und nur den Transport von Nahrungsstoffen und Hormonen zu leisten; es ist farblos.
 
Die Blutmenge bei den einzelnen Tiergruppen zeigt unterschiedliche Werte. Die meisten Wirbeltiere weisen ein ähnliches prozentuales Verhältnis zwischen Blutgehalt und Körpergewicht auf wie der Mensch. Bei einigen Fischen werden Werte bis hinab zu 2 % gemessen. Zur Beurteilung der Leistung des Bluts muss allerdings auch dessen Transporteigenschaft, z. B. der Gehalt an Blutfarbstoffen, berücksichtigt werden, der nicht bei allen Wirbeltieren gleich ist. Bei wirbellosen Tieren finden sich oft sehr viel größere Blutmengen, was mit deren »offenem Kreislaufsystem« zusammenhängt, z. B. bei Krebsen etwa 25 %. Der Seehase (Aplysia depilans), eine große Meeresschnecke, besteht zu etwa 80 % aus Blut, das im Wesentlichen zur Auffüllung und Formung des blasenartigen Körpers dient.
 
 
Von alters her ist über die ganze Erde der Glaube verbreitet, Blut sei Sitz der Seele oder des Lebens. Seine Heil- und Zauberkraft wurde in China und Ägypten gegen Erkrankungen angewendet; man trank das Blut des erschlagenen Kriegers, um dessen Kräfte zu gewinnen, jugendliches Blut sollte Greisen neues Leben schenken, der Seher gewann durch Bluttrank mantische Kräfte. Die Griechen glaubten die Schatten ihrer Toten wieder zu beleben, indem sie in ihr Grab Blut als Opfer fließen ließen. Bei menschlichen Gemeinschaften trat oft die bindende Kraft des Bluts hervor: so bei der Blutsbrüderschaft, wobei zwei (oder mehr) Menschen gegenseitig von ihrem Blut tranken und dadurch wie Brüder aneinander gebunden wurden.
 
Auch zwischen Mensch und Gott sollte Blut eine Bindung herstellen: Der Altar wurde mit Blut bestrichen, das Opfertier sakramental verspeist, um das in ihm anwesende Mana zu erlangen. Auf der anderen Seite wurden mit Blut befleckte Menschen mit besonderem Ritual umgeben und mussten gereinigt werden: Mörder, Krieger nach der Schlacht, Frauen nach der Geburt eines Kindes oder nach der Menstruation. Im Alten Testament war der Genuss von Blut und das Vergießen von Menschenblut streng verboten. Das Blut galt als Sitz der Seele (3. Mose 17, 11) und hatte sühnende und Schaden abwehrende Kraft (2. Mose 12, 22 ff.). Besonders stark war die Reinigungskraft des Bluts in den Mysterien mit ihren Bluttaufen (Taurobolia), wobei die Mysten geheime Kräfte erhielten und entsühnt wurden. Im Christentum lebt diese Anschauung von der heiligenden und sühnenden Kraft des Bluts in der Hochschätzung des »Blutes Christi« (1. Petrusbrief 1, 19) fort: Christus hat die Menschen mit seinem Blut entsühnt (Römerbrief 3, 25; 1. Johannesbrief 1, 7) und für Gott erworben (Offenbarung des Johannes 5, 9). In der Kirche des Westens hat sich daraus im Mittelalter ein besonderer Kult des »kostbarsten Blutes« entwickelt. Von 1849-1970 verehrte die katholische Kirche das »Blut Christi« in einem eigenen »Fest des kostbaren Blutes« am 1. 7. Heute ist diese Verehrung in das Fronleichnamsfest als »Hochfest des Leibes und Blutes Christi« integriert.
 
Seit dem Hochmittelalter blühte der volkstümliche Kult des heiligen Blutes in zweierlei Formen: einmal als Verehrung von Blutreliquien, die durch die Kreuzzüge aus Palästina nach Europa kamen (Weingarten), und zum anderen als Wallfahrten zu eucharistischen Blutwundern.
 
In der Kunst hat sich seit dem Spätmittelalter eine vielfältige Ikonologie des Erlöserbluts Christi herausgebildet. Sie setzte ein mit der Darstellung des nicht mehr triumphierenden, sondern leidend dargestellten Christus am Kreuz und führte über das Andachtsbild vom Schmerzensmann zur Darstellung Christi in der Kelter, der Allegorisierung als Lebensbrunn, dem Motiv des gegeißelten Heilands. Auf evangelischer Seite entfaltete der Pietismus eine Blut- und Wundenmystik, die parallel zum katholischen barocken Leidenskult Christi lebendig war.
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Blutdruck · Blutgerinnung · Blutgruppen · Blutkrankheiten · Blutuntersuchungen · Hämatologie · Rhesusfaktor · Serologie
 
 
 
Hb. der gesamten Hämatologie, hg. v. L. Heilmeyer u. A. Hittmair, 5 Bde. in 7 Bänden (1957-69);
 H. Begemann u. J. Rastetter: Atlas der klin. Hämatologie (41987);
 H. u. M. Begemann: Prakt. Hämatologie (91989);
 
Klin. Hämatologie, hg. v. H. Begemann u. J. Rastetter (41993);
 
Physiologie des Menschen, hg. v. Robert F. Schmidt u. G. Thews (261995).
 
Zeitschrift: B. (1955 ff.).
 
 
H. L. Strack: Das B. im Glauben u. Aberglauben der Menschheit (81900);
 
E. Wunderlich: Die Bedeutung der roten Farbe im Kultus der Griechen u. Römer (1925);
 
E. Stemplinger: in: Hwb. des dt. Aberglaubens, hg. v. H. Bächtold-Stäubli u. a., Bd. 1 (1927, Nachdr. 1987);
 
E. Bischoff: Das B. in jüd. Schrifttum u. Brauch (1929);
 
J. Heuser: »Heilig-B.« in Kult u. Brauchtum des dt. Kulturraumes (1948);
 
H. Wissmann in: TRE, Bd. 6 (1980).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Blut: Zusammensetzung und Blutbildung
 
 
 
Säure-Basen-Haushalt: Regulierung des pH-Wertes
 
Blutfarbstoffe und Sauerstofftransport
 

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Blut, das; -[e]s, (Fachspr.) -e [mhd., ahd. bluot, wohl eigtl. = Fließendes]: dem Stoffwechsel dienende, im Körper des Menschen u. vieler Tiere zirkulierende rote Flüssigkeit: rotes, dunkles, dickes, krankes, unreines B.; das B. fließt aus der Wunde, pocht in den Schläfen, gerinnt; jmdm. steigt das B. in den Kopf; viel B. wurde vergossen (geh.; viele Menschen verloren im Kampf, Krieg ihr Leben); B. spucken, husten; B. spenden, übertragen; das B. stillen; B. verlieren (stark bluten); er kann kein B. sehen (ihm wird übel beim Anblick von Blut); ein B. bildendes (die Bildung roter Blutkörperchen förderndes) Medikament; B. saugende Vampire; sie hatte keinen Tropfen B. im Gesicht (sie war ganz blass); Im Institut für Hämoderivate lässt er sich B. abnehmen (Zenker, Froschfest 84); die Bande des -es (geh.; enge verwandtschaftliche Bindungen); die Stimme des -es (dichter.; nicht zu unterdrückendes Zusammengehörigkeitsgefühl gegenüber einem Blutsverwandten, bes. bei Eltern u. Kindern); Alkohol im B. haben; er lag in seinem B. (er lag stark blutend da); sein Hemd war mit B. getränkt, war voll B.; Ü B. und Boden (nationalsozialistisches Schlagwort für die Verbundenheit des als Rasse begriffenen Volkes mit dem bewohnten, besiedelten Gebiet); das mütterliche B. (Erbe); ihm kocht das B. in den Adern (geh.; er ist voller Zorn); den Zuschauern gefror/stockte/gerann/erstarrte das B. in den Adern (die Zuschauer waren starr vor Schreck); heißes/feuriges B. (ein leidenschaftliches Temperament); adliges B. (adlige Abkunft); französisches B. in den Adern haben (seiner Abstammung nach [zum Teil] Franzose sein); das Unternehmen braucht frisches B. (frische Kräfte); *das B. Christi (christl. Rel.; der Wein als Bestandteil des Abendmahls); ein junges B. (dichter.; ein junger Mensch); an jmds. Händen klebt B. (geh.; jmd. ist ein Mörder); blaues B. in den Adern haben (von adliger Abkunft sein; aus gleichbed. span. sangre azul, nach den durch die weiße Haut durchscheinenden Adern der span. Adligen, die meist aus nördlicheren Gegenden stammten); kaltes B. bewahren (die Ruhe bewahren); böses B. schaffen, machen (Unzufriedenheit, feindselige Gefühle erregen): warum man aber jede Konsultierung des Preisüberwachens ablehnt, ist nicht einzusehen. Das schafft bloß böses B. (Basler Zeitung 2. 10. 85, 9); B. und Wasser schwitzen (ugs.; 1. in großer Aufregung sein, große Angst haben: er hat B. und Wasser geschwitzt, dass ihn niemand entdeckte. 2. sich übermäßig anstrengen müssen, um etw. zu schaffen: bei dieser Arbeit habe ich B. und Wasser geschwitzt); B. geleckt haben (ugs.; nachdem man sich näher damit befasst hat, Gefallen an etw. finden u. nicht mehr darauf verzichten wollen): „An sich hab' ich B. geleckt“, sag' ich. „Schließlich, wann hat 'ne Person wie ich schon mal so 'n Beifall im Leben?“ (Schnurre, Ich 66); [nur] ruhig B.! (ugs.; nur keine Aufregung!); jmdn. bis aufs B. quälen/peinigen/reizen (jmdn. bis zum Äußersten quälen, peinigen, reizen); jmdm. im B. liegen/stecken (für etw. eine angeborene Begabung haben): May hat das Gespür dafür unter dem kleinen Fingernagel, dem Jungen steckt das im B. (Loest, Pistole 35); im B./in jmds. B. waten (geh.; ein Blutbad anrichten); etw. in [jmds.] B. ersticken (geh.; etw. blutig, mit viel Blutvergießen unterdrücken): einen Aufstand im B. der Anführer ersticken; etw. mit seinem B. besiegeln (dichter.; für etw. sterben); nach B. lechzen, dürsten (geh.; rachedurstig sein).

Universal-Lexikon. 2012.

Synonyme:

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  • Blut — Blut, die in den Blutgefäßen enthaltene Flüssigkeit, bestehend aus dem klaren, flüssigen Blutplasma (Blutliquor) und zahllosen mikroskopisch kleinen, einzelnen Zellen, den Blutkörperchen, die bei den Wirbellosen farblos sind; bei den Wirbeltieren …   Kleines Konversations-Lexikon

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